Suchtberatungsstellen
In Deutschland gibt es über 1.400 Suchtberatungsstellen – sie sind kostenlos, vertraulich und ohne Überweisung zugänglich. Dort erhältst du eine erste Einschätzung, Beratung und Vermittlung in weiterführende Hilfsangebote. Das BZgA-Infotelefon zur Suchtvorbeugung (0800 1 37 27 00) bietet kostenlose und anonyme telefonische Beratung. Auf der Website der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) findest du die nächste Beratungsstelle in deiner Nähe.
Selbsthilfegruppen
Selbsthilfegruppen sind eine der wirksamsten Langzeitmaßnahmen gegen Alkoholabhängigkeit. In Deutschland sind die wichtigsten Organisationen: Anonyme Alkoholiker (AA) mit dem bekannten 12-Schritte-Programm, der Kreuzbund (katholisch geprägt, aber offen für alle), das Blaue Kreuz und die Guttempler. Studien zeigen, dass regelmäßige Teilnahme an Selbsthilfegruppen die Abstinenzrate signifikant erhöht und besonders wirksam in der Rückfallprävention ist. Die Teilnahme ist immer kostenlos.
Ambulante und stationäre Therapie
Die ambulante Entwöhnungstherapie umfasst typischerweise wöchentliche Einzel- oder Gruppensitzungen über 12–18 Monate und erlaubt es dir, in deinem Alltag zu bleiben. Die stationäre Entwöhnung (Langzeittherapie) dauert in der Regel 12–16 Wochen in einer Fachklinik und bietet intensive therapeutische Begleitung. Vor der Entwöhnung steht bei körperlicher Abhängigkeit der qualifizierte Entzug (2–3 Wochen stationär), bei dem Entzugssymptome medikamentös abgefangen werden. Welcher Weg der richtige ist, hängt von der Schwere der Abhängigkeit, dem sozialen Umfeld und individuellen Faktoren ab.
Medikamentöse Behandlung
Drei Medikamente sind in Deutschland zur Rückfallprophylaxe zugelassen:
Naltrexon (reduziert das Belohnungsgefühl beim Trinken),
Acamprosat (stabilisiert die Hirnchemie und mindert Craving) und
Nalmefen (kann bei Bedarf eingenommen werden, um den Konsum zu reduzieren). Alle drei wirken am besten in Kombination mit Psychotherapie. Zusätzlich wird Disulfiram (Antabus) gelegentlich eingesetzt – es erzeugt unangenehme Symptome bei Alkoholkonsum und wirkt als Aversionstherapie. Mehr zu Strategien unter
Strategien zum Aufhören.
Kostenübernahme
Die Kosten für die Suchtbehandlung werden in Deutschland fast vollständig übernommen: Die
Krankenkasse zahlt den qualifizierten Entzug (stationär) und ambulante Therapien. Die
Rentenversicherung (DRV) finanziert die stationäre Entwöhnungstherapie als medizinische Rehabilitation. Suchtberatung und Selbsthilfegruppen sind grundsätzlich kostenlos. Für den Antrag auf stationäre Reha brauchst du einen Sozialbericht der Beratungsstelle und einen ärztlichen Befundbericht – die Beratungsstelle hilft dir bei der Antragstellung. Lass dich nicht von Bürokratie abschrecken: Die Investition in deine Gesundheit lohnt sich. Erfahre mehr über die
ersten Schritte zum Aufhören.