Was Alkohol im Gehirn macht
Alkohol verstärkt die Wirkung des hemmenden Neurotransmitters GABA – das erzeugt Entspannung und Angstlösung. Gleichzeitig blockiert er das erregende Glutamat, was die Reaktionsfähigkeit verlangsamt. Im Belohnungssystem wird Dopamin ausgeschüttet, was kurzfristig Wohlbefinden erzeugt, und Endorphine werden freigesetzt, die Schmerzen dämpfen und Euphorie auslösen. Bei regelmäßigem Konsum passt sich das Gehirn an diese Eingriffe an: Es stellt weniger GABA-Rezeptoren bereit und erhöht die Glutamat-Aktivität – ein neues, instabiles Gleichgewicht entsteht.
Wie der Körper Alkohol verarbeitet
Die Leber baut rund 90 % des konsumierten Alkohols ab. Das Enzym Alkoholdehydrogenase (ADH) wandelt Ethanol zunächst in das giftige Acetaldehyd um, das anschließend von der Aldehyddehydrogenase (ALDH) zu ungefährlicher Essigsäure abgebaut wird. Die Leber schafft etwa 0,1–0,15 Promille pro Stunde – alles darüber hinaus zirkuliert weiter im Blut und schädigt Organe. Bei chronischem Konsum wird zusätzlich das Enzymsystem CYP2E1 aktiviert, was den Abbau beschleunigt (Toleranz), aber auch schädliche Stoffwechselprodukte erzeugt. Langfristig drohen Fettleber, Entzündungen und Leberzirrhose – mehr dazu unter
Was ist eine Fettleber?.
Toleranz – warum du immer mehr brauchst
Toleranz entsteht, weil sich das Gehirn an den ständigen Alkoholeinfluss anpasst. Du brauchst immer größere Mengen, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Was anfangs ein Glas Wein bewirkt hat, erfordert bald zwei oder drei. Gleichzeitig sinkt die Sensibilität für natürliche Belohnungen: Essen, Bewegung, soziale Kontakte erzeugen weniger Freude. Diesen Mechanismus zu verstehen ist zentral – mehr dazu unter
Warum entsteht Alkoholabhängigkeit?.
Was beim Aufhören passiert
Nach 6–12 Stunden ohne Alkohol: Erste Entzugssymptome wie Unruhe, Schwitzen, Zittern und Schlafstörungen. Nach 24–48 Stunden: Höhepunkt des Entzugs mit möglichen Halluzinationen, starkem Craving und erhöhtem Blutdruck. Nach 48–72 Stunden: Risiko für Krampfanfälle und Delirium tremens bei schwerer Abhängigkeit. Nach 1–2 Wochen: Symptome lassen deutlich nach, Schlaf verbessert sich. Nach 4–8 Wochen: Leberwerte beginnen sich zu normalisieren, Stimmung stabilisiert sich. Mehr zur Erholungs-Timeline unter
Körper-Erholung nach Alkoholstopp.
Wichtiger Hinweis: Entzug kann gefährlich sein
Anders als beim Nikotinentzug kann ein Alkoholentzug lebensbedrohlich sein. Bei schwerer körperlicher Abhängigkeit können Krampfanfälle und Delirium tremens auftreten – ein medizinischer Notfall mit einer Sterblichkeit von bis zu 15 % ohne Behandlung. Wenn du täglich größere Mengen trinkst, regelmäßig Entzugssymptome erlebst oder in der Vergangenheit Krampfanfälle hattest, solltest du niemals ohne ärztliche Begleitung aufhören. Ein stationärer oder ambulanter Entzug unter medizinischer Aufsicht ist dann der sichere Weg. Mehr Informationen unter
Professionelle Unterstützung.